Die Komposition

Christus steht im Zentrum, umgeben von Heiligen, während die Seligen zum Himmel emporsteigen und die Verdammten in einer einzigen, wirbelnden Komposition zur Hölle hinabgezogen werden — eine dramatische Abkehr von der geordneten Ruhe der Decke darüber.

Ein verstecktes Selbstporträt

Unter den Verdammten hält der heilige Bartholomäus seine eigene abgezogene Haut — und das verzerrte Gesicht auf dieser Haut wird von Gelehrten weithin als Selbstporträt Michelangelos gelesen, ein eindringlicher Kommentar zur Sterblichkeit von einem Künstler in seinen Sechzigern.

Die Nacktheits-Kontroverse

Die ausgedehnte Nacktheit des Freskos rief schon vor seiner Fertigstellung Einwände von Kirchenvertretern hervor — der päpstliche Zeremonienmeister Biagio da Cesena beschwerte sich und wurde Berichten zufolge von Michelangelo als Minos, Richter der Unterwelt, mit Eselsohren dargestellt. Nach Michelangelos Tod ordnete das Konzil von Trient an, einige Figuren zu bedecken; der Maler Daniele da Volterra fügte die diskreten Lendenschurze hinzu, was ihm den Spitznamen „Il Braghettone“ — „der Hosenmacher“ — einbrachte.