Er wurde sechs Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Papst, und seine Entscheidungen während des Krieges werden bis heute diskutiert.

Ein Karrierediplomat wird Papst

Eugenio Pacelli war apostolischer Nuntius in Deutschland und später Kardinalstaatssekretär gewesen, bevor er im März 1939 gewählt wurde — eine Erfahrung, die ein Pontifikat prägte, das fast sofort vom heraufziehenden Krieg bestimmt war.

Neutralität und ihre Grenzen

Pius XII. hielt den Vatikan während des gesamten Krieges offiziell neutral, nutzte diplomatische Kanäle und, wie Historiker zunehmend dokumentieren, stille lokale Bemühungen — darunter die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge in kirchlichen Einrichtungen in Rom — vermied dabei aber jene Art öffentlicher, expliziter Verurteilung der NS-Gräueltaten, die Kritiker angesichts seiner moralischen Autorität für geboten halten.

Eine Debatte, die noch andauert

2020 öffnete der Vatikan zum ersten Mal die vollständigen Kriegsarchive von Pius XII. für Forscher — eine Entscheidung, die Papst Franziskus ausdrücklich unterstützte, damit Historiker die Vorgänge anhand von Primärquellen statt aus zweiter Hand neu bewerten können.